C u s a n u s - O p e r

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Anmerkungen

Biographische Skizze

Nikolaus Cryfftz

Anmerkung

hochdeutsch: Krebs;
daher wohl auch der Krebs als Wappentier.
wurde im Jahre 1401 in Kues an der Mosel als Sohn wohlhabender Eltern geboren. Er war das zweite der vier Kinder von Johann Cryfftz und Katharina Roemer. Vater Cryfftz war Schiffer und handelte unter anderem mit Wein. Dieser familiäre Hintergrund war es auch, der es Nikolaus ermöglichte, schon früh in seinem Leben eine gute Ausbildung zu genießen. Im Alter von 15 Jahren nahm er 1416 das Studium der sieben freien Künste an der Universität Heidelberg auf. Die sieben freien Künste

Anmerkung

Die "septem artes liberales" (ungenau übersetzt mit "sieben freie Künste") galten in der Antike als die Beschäftigung, die eines freien Mannes (homo liber) würdig sind. Im Mittelalter leitet man den Ausdruck aber auch von liber = Buch ab, also "Buchwissenschaften". Die sieben Teilfächer gliedern sich in eine Unterstufe aus drei Fächern (trivium = Dreiweg) und eine Oberstufe aus vier Fächern (quadrivium = Vierweg). Das Trivium umfaßt die sprachlichen Fächer, das Quadrivium diejenigen, die mit Zahlen zu tun haben.
mit dem Trivium

Anmerkung

Das Trivium der sprachlichen Fächer
Grammatik
  • der eigentliche (lateinische) Grammatikunterricht
  • die Lektüre der (vorwiegend antiken) Schriftsteller
Dialektik oder Logik
  • die Lehre von den logischen Schlüssen, etwa um die falsche Argumentation der Häretiker zu entlarven
Rhetorik
  • anders als in der Antike das vorschriftsmäßige Abfassen von Briefen und Urkunden(beispielen)
von Grammatik, Dialektik und Rhetorik und dem Quadrivium

Anmerkung

Das Quadrivium der Fächer, die mit Zahlen zu tun haben:
Geometrie
  • die geometrischen Regeln der Landvermessung (= wörtliche Bedeutung von "geometria")
  • die Erdbeschreibung in Form von (Welt)karten nebst verbalen Erläuterungen
Arithmetik
  • Zahlentheorie
  • geistige Bedeutung der Zahlen
Musik
  • die Lehre von der harmonischen, d.h. zahlenmäßigen Ordnung der Welt; die hörbare Musik ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dieser umfassenden Weltordnung
Astronomie
  • beschreibt die Bewegungen der Planeten (inklusive Sonne und Mond); Horoskope dienen im Mittelalter nur zu medizinischen Zwecken (Termin für den Aderlaß etc.)
  • Sternsagen
von Geometrie, Arithmetik, Musik sowie Astronomie bildeten damals die Basisausbildung des Studiums.

Schon ein Jahr später wechselte er an die norditalienische Universität Padua, wo er 1423 mit einem doctor decretorum

Anmerkung

Ein mittelalterliches Studium beginnt in der Artistenfakultät; d.h. es werden diejenigen Kenntnisse der septem artes liberales erworben, die der Student nicht bereits von der Schule her mitbringt. Nach gehörigem Studium können durch mündliche Prüfung der Reihe nach drei akademische Grade erworben werden: * baccalaureus artium * licentiatus artium * magister artium
Anschließend kann das Studium in einer der drei "höheren" Fakultäten fortgesetzt werden. In ihnen erwirbt man folgende Grade:
kirchliches Recht: * baccalaureus decretorum * licentiatus decretorum * doctor decretorum
weltliches Recht: * baccalaureus legum * licentiatus legum * doctor legum
Medizin: * baccalaureus medicine * licentiatus medicine * doctor medicine
Theologie: * baccalaureus theologie * licentiatus theologie * doctor theologie
Die Kosten für den Erwerb des Magister- bzw. Doktortitels sind allerdings so hoch, daß viele Studenten sich mit dem Lizentiat begnügen.
sein Studium des Kirchenrechts abschloß. Die Universität Padua zog als geistiges Zentrum der damaligen Zeit viele Studenten aus ganz Europa an. Cusanus, wie Nikolaus in Anlehnung an den lateinischen Namen seines Geburtsortes auch genannt wird, knüpfte dort auch die wichtigen Kontakte unter anderem zu Paolo dal Pozzo Toscanelli

Anmerkung

Der Arzt und Mathematiker Paolo dal Pozzo Toscanelli lebte von 1397 bis 1482 in Florenz. Er beschäftigte sich mit der Idee, dass man Asien von Europa aus auf einem westlichen Seeweg erreichen könne. So wurde er einer der Wegbereiter der Entdeckung Amerikas 1492 durch Christoph Kolumbus.
Toscanelli war der erste Europäer, der Aufzeichnungen über den Verlauf von Kometenbahnen hinterlassen hat. Das Manuskript Immensi labores et graves vigilie magistri Pauli de Toscanello super mensura comete beschreibt mit Abbildungen seine Beobachtungen der Kometen von 1433, 1449/50, 1P/Halley 1456K1, 1457 I und II und 1472. Seine Arbeiten wurden nicht gedruckt und blieben daher weitgehend unbekannt. Edmund Halley kannte die Beobachtungen anscheinend nicht.
Quelle: Wikipedia; Dort auch Links zu seinen Aufzeichnungen
und Giuliano Cesarini

Anmerkung

Giuliano Cesarini der Ältere (* 1398 in Rom; † 10. November 1444 in Varna) war ein Kardinal 1430, Erzpriester, Bischof und Kardinallegat in Ungarn 1444.
Er stammte aus einem röm. Adelsgeschlecht, war Lehrer der Rechtswissenschaft. Er predigte zum Nürnberger Reichstag gegen die Hussiten, aber dieser Aufruf zum Kreuzzug scheiterte. Mit dem Titel des päpstlichen Legat wurde er nach Ungarn ausgesandt und beauftragt, einen Kreuzzug gegen die Türken zu organisieren. Am 10. November 1444 fiel Cesarini bei Varna in Bulgarien.
, dem späteren Präsidenten des Konzils von Basel

Anmerkung

Als siebzehntes ökumenisches und zugleich längstes Konzil der Geschichte bildete das Basler Konzil (1431-49) den Abschluss der Schisma-Epoche. 1417 durch das Konstanzer Dekret Frequens einberufen, wurde es am 29.7.1431 in der zentral gelegenen Reichsstadt Basel eröffnet. Hauptziele waren das Ende der Häresien (Hussiten), die Schaffung des Friedens in der Christenheit und die Kirchenreform.
.

Ab 1425 finden wir Cusanus in Köln. Dort war er als Jurist tätig und lehrte an der Universität kanonisches Recht. Gleichzeitig war er für Philosophie und Theologie immatrikuliert. In Köln kam er auch in Kontakt mit dem flämischen Philosophen Heymeric van de Velde

Anmerkung

Heymeric van de Velde (lateinisch: Heymericus de Campo) (1395-1460) zählt zu den bedeutendsten Philosophen des 15. Jahrhunderts außerhalb Italiens. Sein Denken weist in mancherlei über die zeitgenössische Scholastik hinaus. So öffnete er den Albertismus für lullistisches Gedankengut und entwickelte mit seinem "Siegel der Ewigkeit" eine eigene Universalwissenschaft und geometrische Theologie. Auf der Grundlage aller Wissenschaften, seinem "Siegel der Ewigkeit", der Universalwissenschaft des Raimundus Lullus und sogar mit dem Koran untersucht Heymerich die Frage, ob dem Generalkonzil oder dem Papst die höchste Gewalt in der Kirche zusteht. Seine innovativen Ideen diskutierte er mit dem jungen Nikolaus von Kues, der diese Ansätze u. a. in De docta ignorantia und De pace fidei fortführte.
Heymericus de Campo war einer der ganz wenigen bedeutenden Universitätsprofessor jener Zeit, der schon sehr früh Cusanus rezipierte und mit ihm über Jahrzehnte Kontakt hielt. Er besaß De theologicis complementis und De mathematicis complementis, die Cusanus für ihn kopieren ließ und eigenhändig korrigiert hatte.
, dessen Denken einen wichtigen Einfluß auf die Konzeption der coincidentia oppositorum, den Zusammenfall der Gegensätze, hatte und der Cusanus mit Raimundus Lullus

Anmerkung

Ramon Llull (1232-1316)
Der Mallorquiner Ramon Llull (lateinisch: Raimundus Lullus) ist eine der schillerndsten Figuren des Mittelalters. Der geniale Autodidakt, der als Philosoph, Theologe und Universalgelehrter etwa 270 Werke in altkatalanischer und lateinischer Sprache verfasste, fasziniert noch heute durch seine ungewöhnliche Biographie und seine enorme literarische Produktivität.
1232 auf der noch überwiegend von Muslimen besiedelten Baleareninsel Mallorca geboren, führte er zunächst über 30 Jahre lang das Leben eines durchschnittlichen christlichen Adligen. Ein "Bekehrungserlebnis" veranlasste ihn dann, seinen Besitz zu verkaufen, seine Familie zu verlassen und sein ganzes weiteres Leben der Missionierung der Muslime zu widmen.
Im Mittelpunkt seines Denkens steht sein Vorsatz, "das beste Buch der Welt" zu schreiben, mit dessen Hilfe es gelingen sollte, Nichtchristen gewaltlos und mit rational einsehbaren Argumenten von der Wahrheit des Christentums zu überzeugen. Seine kombinatorische Methode, mit der er nach Art einer "Denkmaschine" solche Argumente konstruierte, hat von Cusanus bis Leibniz bedeutende Denker der Renaissance und der Neuzeit beeinflusst.
Quelle: www.theol.uni-freiburg.de/institute/ist/qut/llull
  bekannt machte. Der begabte Jurist Cusanus zog eine kirchenpolitische und diplomatische Karriere einer wissenschaftlichen Existenz vor. So lehnte er gleich zweimal, 1428 und 1435, einen Ruf auf einen Lehrstuhl für Kirchenrecht an der noch jungen Universität von Löwen ab. In diese Zeit fällt wahrscheinlich auch die Priesterweihe.

Seit 1426 arbeitete Nikolaus als Sekretär für den Trierer Erzbischof Otto von Ziegenhain

Anmerkung

Otto von Ziegenhain (~1380-1430) war der Neffe des Trierer Erzbischofs Werner von Falkenstein und ein Spross der hessischen Grafenfamilie von Ziegenhain und Nidda. Als ausgesprochener Anhänger der Reformorden übte er, wann immer es möglich war, die bischöfliche Pontifikalfunktionen selbst aus. Als Leiter der Trierer Delegation auf dem Konstanzer Konzil (1414-1418) war er mit den Reformanliegen vertraut. Einige Erneuerungsbewegungen, wie z.B. Bursfelder Reformkongregation der Benediktiner, hat er entscheidend mit beeinflußt. Wenig Erfolg hatte Otto mit der Reform der Augustiner-Chorherren von Springiersbach und der ihrer Aufsicht unterstellten adeligen Frauenklöster; durch Intrigen und eine vom Adel gesteuerte langwierige Appelationspraxis ließ sich Rom täuschen und die Reformbemühungen gingen unter. Als das Domkapitel den Forderungen des Erzbischofs etwa nach erhöhter Präsenz beim Chordienst nicht entsprach, vielmehr 1428 damit drohte, Trier mit allen Reliquien und dem gesamten Domschatz zu verlassen, gab Otto nach. In seine Amtszeit fällt die Ausweisung aller Juden aus dem Gebiet des Trierer Erzstifts am 30. Dezember 1419.
Quelle: www.bautz.de/BBKL; Band VI (1993)Spalten 1375-1377 Autor: Martin Persch
,  u.a. auch in Rom. Der nur von einer Minderheit als Trierer Erzbischof-Elekt

Anmerkung

Als Elekten bezeichnet man den gewählten Inhaber eines geistlichen oder weltlichen Amtes, bis er dieses Amt durch Ordination oder Krönung offiziell übernahm. In der katholischen Kirche war ein Elekt (auch Bischofselekt) ein Inhaber eines Bischofsstuhls, der zwar zum Bischof gewählt worden war, aber nicht die eigentlich dafür notwendigen geistlichen Weihen empfangen hatte.
  gewählte Ulrich von Manderscheid

Anmerkung

Nach dem Tod des Trierer Erzbischofs Otto von Ziegenhain (1430) wählte die Mehrheit des Domkapitels den Domscholaster Jakob von Sierck zum neuen Erzbischof, während eine Minderheit den Kölner Domdechanten und Trierer Domherrn Ulrich von Manderscheid, hinter dem die Mehrheit des Adels im Erzstift Trier stand, favorisierte. Jedoch bestätigte Papst Martin V. keinen der beiden Kandidaten, sondern ernannte am 22. Mai 1430 den Speyerer Bischof Raban zum Erzbischof von Trier.
Ulrich von Manderscheid, schickte den Juristen Cusanus, der sein Kanzler war, zum Konzil, um dort seine Ansprüche auf das Amt des Trierer Erzbischofe zu vertreten.
  ernannte Nikolaus zu seinem Kanzler. In dessen Auftrag nahm Cusanus ab 1432 am Konzil von Basel

Anmerkung

Als siebzehntes ökumenisches und zugleich längstes Konzil der Geschichte bildete das Basler Konzil (1431-49) den Abschluss der Schisma-Epoche. 1417 durch das Konstanzer Dekret Frequens einberufen, wurde es am 29.7.1431 in der zentral gelegenen Reichsstadt Basel eröffnet. Hauptziele waren das Ende der Häresien (Hussiten), die Schaffung des Friedens in der Christenheit und die Kirchenreform.
 teil, welches sich vor allem mit der Reform der Kirche befaßte. Einer der Hauptpunkte war die Frage, ob der Papst dem Konzil oder das Konzil dem Papst untergeordnet war. Zunächst gehörte Cusanus zu den Konziliaristen, vertrat also den Vorrang des Konzils, schloß sich allerdings im Jahre 1437 der Papstpartei an. Bereits im Jahr 1434 hatte er seine kirchenpolitische Schrift Von der allgemeinen Eintracht / De concordantia catholica vollendet.

1437 reiste er als Mitglied der päpstlichen Delegation nach Konstantinopel, um die Vertreter der Ostkriche für das Unionskonzil von Ferrara/Florenz

Anmerkung

Die päpstliche Partei verließ das Basler Konzil im März 1437 und ging zunächst nach Ferrara, und dann nach Florenz. Es ging jetzt in erster Linie um die Union mit den Griechen (Griechisch-Orthodoxe Kirche) und mit anderen Ostkirchen. Die Gesandten des schwer von den osmanischen Türken bedrängten Kaisers von Byzanz, der auf westliche Militärhilfe hoffte, stimmten dabei weitreichenden Forderungen nach Übernahme westlicher Bräuche und Glaubenslehren zu. So erfolgte am 6. Juli 1439 in der Hauptkirche von Florenz der feierliche Abschluss der Union.
In ihrem eigenen Volk stießen sie damit jedoch auf wenig Gegenliebe. Nach dem Fall Konstantinopels 1453, für den viele Griechen den Zorn Gottes über die falsche Union verantwortlich machten, wurde auch offiziell die Kirchenunion von Florenz wieder aufgelöst.
Im Sinne des Konziliarismus ist auch das Konzil von Ferrara – Florenz gescheitert, da es zwar einige Beschlüsse fasste und vom Papst und den Gesandten aus Byzanz anerkannt wurde, die Beschlüsse wurden aber nicht dauerhaft umgesetzt und blieben somit wirkungslos. Die nicht geleistete Reformarbeit wurde dann einige Jahrzehnte später zum Mitauslöser der Reformation.
  zu gewinnen. Auf der Heimreise hatte er auf dem Meer ein Inspirationserlebnis, das er auch in seinem ersten philosophischen Hauptwerk Von der belehrten Unwissenheit / De docta ignorantia schildert: die Erfahrung der belehrten Unwissenheit, der docta ignorantia, die er - wie wir im Nachwort der Schrift lesen - als eine "Gabe vom Vater der Lichter" empfangen hatte.

Am Mainzer Reichstag (1441) nimmt Cusanus als orator papae

Anmerkung

wörtlich: Sprecher des Papstes , also als Vertreter des Papstes, teil. Sein rasch folgendes zweites philosophische Hauptwerk Über Mutmaßungen / De coniecturis vollendet er um 1442. Er verbrachte einige Jahre in Deutschland, predigt viel in Koblenz, Mainz und Münstermaifeld. Als Prediger war Cusanus sehr beliebt. Seine Predigten waren zwar anspruchsvoll, aber er bemühte sich immer darum, auch für die einfachen Leute verständlich zu sein. Ausdruck hierfür sind z.B. die in Mundart erhaltenen Predigtentwürfe zur Erklärung des Vater Unser. Im Jahr 1445 entstanden mit Vom Gottsuchen / De quaerendo Deum ,  Über Gotteskindschaft / De filiatione Dei  und  Die Gabe vom Vater der Lichter / De dato Patris luminum einige Schriften, die von der Beschäftigung des Cusanus mit Meister Eckhart

Anmerkung

Eckhart von Hochheim, bekannt als Meister Eckhart (* um 1260 in Thüringen, † 1327/1328 in Köln oder Avignon), war einer der bedeutendsten Theologen, Mystiker und Philosophen des christlichen Mittelalters.
Eckhart schloss sich dem Dominikanerorden an und wurde in Köln, dann in Paris ausgebildet. 1302 legte er in Paris die Magisterprüfung ab - daher sein Beiname - und bekleitete dann verschiedene höhere Funktionen in seinem Orden. Ab 1314 wirkte er für seinen Orden von Straßburg aus, nun gelangte er auch als Prediger zu höchstem Ruhm, zugleich wurde er der bedeutendste deutschsprachige Mystiker.
Eckharts Ziel war die Einswerdung der menschlichen Seele mit Gott, die "unio mystica" als Geburt Gottes im Seelengrund. Er scheute auch kühne und spekulative Ansichten nicht und legte dabei den Grundstein für eine neue mystische Begrifflichkeit in der deutschen Sprache.
Eckhart geriet aber immer mehr mit der Kirche in Konflikt. 1326 wurde er vor der Inquisition angeklagt und musste sich mehrfach in Avignon dem Verfahren stellen; vorgehalten wurde ihm z. B. der Satz "dass Gott nicht über uns steht, sondern in uns Menschen lebt". Eckhart widerrief, trotzdem starb er zwei Jahre später im Ruf eines Irrlehrers.
 , der großen Gestalt der deutschen Mystik im 13. Jahrhundert, zeugen; in ihnen formuliert der Mosalaner erstmals seine Vorstellung des Menschen als eines "lebendigen Bildes Gottes", also als eines sich selbst in Freiheit gestaltendes Wesen.

Später, um 1446/1447, war er nochmals als päpstlicher Gesandter bei den Reichstagen in Frankfurt und Aschaffenburg zugegen. In Aschaffenburg entschied sich der Reichstag bereits gegen das Konzil von Basel und für den Papst.

In all diesen Jahren war Cusanus unermüdlich auf Reisen durch die deutschen Gebiete, um die deutschen Fürsten zur Aufgabe ihrer Neutralität gegenüber dem Papst zu bewegen. 1448 kam es, nicht zuletzt dank des Erfolges von Nikolaus, zum Abschluß des Wiener Konkordats

Anmerkung

Das Wiener Konkordat befasste sich mit den Beziehungen zwischen der „deutschen Kirche“ und dem Heiligen Stuhl. Es wurde am 19. März 1448 als päpstliches Privileg veröffentlicht. Das Konkordat stellte die Besetzung der Kirchenämter und die kirchliche Organisation im Reich auf ein solides Fundament. Die Wirkungen des Wiener Konkordats waren zwar begrenzt, gleichwohl war es bis zum Reichsende 1806 die Basis für die Beziehungen mit der Kurie.  , das eine neue Basis für das Verhältnis zwischen dem deutschen Reich und dem Heiligen Stuhl schuft. Nicht nur Papst Eugen IV.

Anmerkung

Eugen IV.
 und das deutsche Reich wurden so wieder versöhnt, sondern gleichzeitig auch noch das Schisma – die Konstellation von Papst und Gegenpapst, welche die Kirche schwächte und dem Papsttum Schaden zufügte – und der Konziliarismus beendet. Schon 1446 ernannte Eugen IV. den Kueser zum Kardinal, allerdings "in petto"; 1448 erfolgte die öffentliche Erhebung zum Kardinal durch Papst Nikolaus V.

Anmerkung

NIKOLAUS V. (Tommaso Parentucelli), 1397-1455, erhielt seine Ausbildung in Florenz und Bologna. Hier fand er Zugang zur Welt der Kunst und Wissenschaft. Er begleitete den Kardinal Albergati auf dessen diplomatischen Missionen, wobei er sich große Verdienste auf dem Konzil v. Florenz erwarb. Als Papst nahm er nach Humanistenart den Namen seines Gönners Albergati an. Nikolaus galt als umfassend gebildet, im Lebenswandel untadelig, zudem als kluger Diplomat und Schlichter. Er förderte Wissenschaft und Künste, berief Schriftsteller und Gelehrte nach Rom, das er so zu einem Zentrum des Kulturschaffens ausbaute. Besonderes wichtig war ihm die Übersetzung von Werken der griechischen Antike und Väter. Er gab sein ca. 1200 Bände umfassende Handschriftensammlung als Grundbestand zum großzügigen Ausbau der Vatikanischen Bibliothek und gilt daher als deren eigentlicher Begründer. Dazu gelang ihm die Beilegung mancher unter Eugen IV. entstandener Wirren. Der von Nikolaus nach dem Fall von Konstantinopel ausgerufene Kreuzzug blieb ohne durchgreifende Wirkung. Tragisch an der Gestalt Nikolaus ist, daß die dringend notwendige Kirchenreform aber nicht zustande kam, so daß in dem mit seinem Pontifikat beginnenden Renaissance-Papsttum einem zunehmenden Prozeß der Verweltlichung des Papsttums und der Kurie nicht hinreichend entgegengewirkt wurde.
 , 1450 wurde er schließlich zum Bischof geweiht und erhielt das Bistum Brixen.

Später wurde Cusanus häufig vorgeworfen, aus rein opportunistischen Gründen vom Konziliarismus zur Papstpartei gewechselt zu sein, aber schon in seiner – konziliaristischen – Schrift Über die allgemeine Eintracht / De concordantia catholica hatte er sich vornehmlich für die Einheit der Kirche eingesetzt. Es spricht vieles dafür, daß Nikolaus bereits beim Konzil von Basel eine Reform der Kirche, die das Schisma überwinden und wieder zur innerkirchlichen Harmonie führen sollte, über eine bestimmte kirchliche Organisationsform gestellt hat.

Nach 1450 führte eine Legationsreise Cusanus durch die deutschen Lande. Er nahm mit strengem Auge Visitationen kirchlicher Einrichtungen vor. Außerdem fällt in diese Zeit auch das Anbringen von Tafeln mit den zehn Geboten und dem Vater Unser in niederdeutscher Sprache in Hildesheim (St. Lamberti-Kirche), die bis heute erhalten ist. Sie sind Zeichen dafür, daß sich der päpstliche Legat dafür einsetzte, daß jeder einzelne grundlegendes Wissen sich selbst erwerben konnte und sollte.

Am Karfreitag 1452 predigte Cusanus zum ersten Mal in seinem Bistum Brixen. Im Jahre 1453 schließt Cusanus seine beiden Schriften Vom Sehen Gottes / De visione Dei und Über den Frieden im Glauben / De pace fidei ab. Während erstere auf Bitten der Mönche des Klosters Tegernsee entstanden war, stellt letztere die Reaktion des Cusanus auf die Eroberung Konstantinopels durch durch die "Türken" dar und entgegen den damals aufkommenden Rufen nach einem neuen Kreuzzug zu einer diplomatischen Lösung des Problems ermahnt. Danach verfaßte er in Brixen keine weiteren Werke, predigt aber viel – dort entstehen mehr als die Hälfte der rund 300 uns erhaltenen Predigtskizzen. Er veranstaltete Diözesansynoden und bemühte sich sehr um Reformen der dortigen Klöster, was zu heftigen Auseinandersetzungen vor allem mit der Äbtissin Verena von Stuben

Anmerkung

erklärung   führte. Da Cusanus auf seinen kirchlichen Befugnissen beharrte, kam es außerdem zu einem schleichenden, immer mehr sich verschäfenden Konflikt mit dem Herzog Sigismund von Tirol

Anmerkung

erklärung
 . Diese Situation führte dazu, daß Nikolaus sein Bistum schließlich verließ und 1460 einem Ruf des Papstes Pius II.

Anmerkung

erklärung
  nach Rom folgte.

Dort widmete er sich in den folgenden Jahren wieder intensiv seinen philosophisch- theologischen Studien. In dieser Zeit entstanden unter anderem die beiden Werke Sichtung des Koran / Cribratio Alkorani  sowie Vom Nicht anderen / De non aliud. Die Schrift Jagd nach Weisheit / De venatione sapientiae enthält die Geschichte der Entwicklung seines Denkens und gibt auf diese Weise einen systematischen Rückblick auf sein philosophisches Schaffen. Ein weiteres wichtiges Werk seiner späten Jahre ist De ludo globi / Vom Globusspiel mit der Erfindung und Interpretation des Globusspieles, eines bis heute gespielten Weisheitsspieles.

Cusanus starb am 11. August 1464 in Todi (Umbrien), während er sich im Auftrag von Papst Pius II. auf einer Reise zur Vorbereitung eines Kreuzzuges befand, ein Auftrag der Nikolaus sehr widerstrebte. Begraben wurde Cusanus in Rom in seiner Titularkirche San Pietro in Vincoli, sein Herz jedoch wurde nach Kues gebracht und in der Kapelle des von ihm 1458 gestifteten und bis heute bestehenden Altenheims beigesetzt.

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© 2007  August Herbst &  Institut für Cusanus-Forschung, Trier