C u s a n u s - Oper

Das Projekt: C u s a n u s - Fragmente der Unendlichkeit


Bericht zum Projekttag "Nikolaus von Kues und die Gottesfrage"

Die Schülerin Anna Seliger vom Friedrich Spee Gynmasium in Trier berichtet:
 

Am 28.06.07 erlebte ein Religion Grundkurs des FSG an der katholischen Akademie einen Tag lang eine ganz andere "Unterrichtsstunde" . Anlässlich des wiederauflebenden Interessens und der Aktualität Cusanus’ Ideen, veranstaltete die katholische Akademie vier Workshops zu diesem "revolutionären" Mann. Dieser war zu seiner Lebzeit (1401-1464) unter anderem päpstlicher Diplomat, Konzilstheologe, Philosoph und Wissenschaftler. Ein viel interessierter Mann und eine bedeutende Persönlichkeit mit nachhaltiger Prägung in vielen Bereichen bis heute.

In diesem vierten Seminar ging es um das Thema "Nikolaus von Kues und die Gottesfrage". Im Laufe des Tages versuchten vier Studenten der Universität Trier Nikolaus von Kues’ Gottesvorstellung unter verschiedenen Sichtweisen (Mathematik, Philosophie, Religion) den Schülern nahe zubringen.

"Was ist das?", fragte der Religionslehrer Wolfram Viertelhaus, nach der Begrüßung durch Frau Zey-Wortmann von der kath. Akademie Trier. Die Antwort des Kurses war einstimmig: "Eine Kugel, die stellvertretend für die Vollkommenheit steht." Doch diese Kugel hatte eine Besonderheit, eine Delle. Diese sollte auf die Unvollkommenheit der Welt, sowie der Menschen hinweisen. Daraus folgte die Frage, wie der sich Mensch in seiner Unvollkommenheit ein Bild eines vollkommenen Gottes machen kann. "„Ich weiß, dass ich nichts weiß", sagte schon in der Antike der berühmte Philosoph Platon. Dieses Zitat ist auch der Anknüpfungspunkt von Cusanus’ Philosophie. "Der ist für wissend zu halten, der sich unwissend weiß" , schreibt er in seiner Schrift De docta ignorantia (die belehrte Unwissenheit).

Was es mit diesem nichtwissendem Wissen und der Gottesfrage auf sich hat, galt es während dieses Projekts zu ergründen.

Aufmerksames Zuhören

Aufmerksames Zuhören

Zunächst befassten sich die Schüler mit dem Zusammenfall der Gegensätze. In Gruppenarbeit erarbeiteten sie mit Hilfe mathematischer Beispiele, dass im Leben Gegensätze existieren, die verstandesgemäß nicht aufgelöst werden können. Diese zeigen sich durch Cusanus’ Kreis-Quadratur-Problem, womit der Versuch gemeint ist, ein Vieleck kreisgleich zu machen. Stellvertretend für das Vieleck steht der Mensch, während er Kreis als vollkommene Figur Gott symbolisiert. Dieser Versuch soll zeigen, dass der Mensch sei er noch so perfekt, niemals gottgleich sein kann; er kann sich ihm nur annähern, sodass sich Gemeinsamkeiten zwischen Gott und dem Menschen ergeben. "Der Mensch ist ein zweiter Gott". Diese Aussage, ein weiterer Gedanke von Nikolaus von Kues, gab Grund zur Diskussion. Während der Debatte kamen die Schüler zu dem Schluss, welche Gefahren, Verpflichtungen mit der Gottebenbildlichkeit verbunden sind. Des Weiteren stellten sich Gemeinsamkeiten heraus: Der Mensch ist wie Gott ein Schöpfer (siehe Handwerker), allerdings in kleineren Dimensionen.

Gruppenarbeit

Gruppenarbeit

Am Nachmittag widmete sich der Religion Grundkurs dann zwei weiteren "Unterrichtseinheiten": "De pace fidei" (viele Wege zu Gott) und "De visione Dei" (Gott der Alles-Sehende). Cusanus liess 1453 ein Bild von Jesus anfertigen, bei dem man den Eindruck gewinnt, er würde jeden Menschen einzeln anschauen, egal wo derjenige steht. Obwohl er an ein und dem selben Fleck hängen bleibt und man von außen glaubt Jesus hätte alles und jeden im Blick. "Wie man Gott anschaue, so schaue er zurück." Mit diesem Werk brachte Cusanus seine Gottesvorstellung zum Ausdruck. Die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen ist individuell. Gott ist für jeden einzeln da, wie auch für die Menschheit insgesamt.

Als letztes lernten dies Schüler die Idee des Friedens unter den Religionen des Nikolaus von Kues kennen. Angesicht der Globalisierung und dem damit verbundenem Aufeinandertreffen verschiedener Religionen wird die Frage der Toleranz immer wichtiger. Eine Frage, die schon damals Cusanus beschäftigte. Nikolaus von Kues kann jede Religion im Grunde immer nur ein Teil von Gott und dessen Wahrheit widerspiegeln. Da Gott nur in Perspektiven zu erfassen ist. Daraus folgt sein Verständnis von "einer Religion in verschiedenen Riten". Damit stellt sich für ihn kein Problem in Sachen Toleranz, da alle Religionen den selben Kern nur verschieden Ausdrucksweisen haben.

Vorstellen von Gruppenarbeiten

Vorstellen von Gruppenarbeiten

Nikolaus von Kues war bzw. ist eine bedeutende Persönlichkeit mit „revolutionären“ Gedanken. Vielen bekannten Denkern, wie Kopernikus oder Galileo Galilei nahm er die Ideen vorweg. Besonders an ihm war, dass er es als Mann mit weitgefächertem Interesse gut verstand auf jeder Ebene der Wissenschaften Gott mit einzubeziehen, zu erklären. Zu diesem Ergebnis kamen am Ende dieses lehrenden Seminars auch die Schüler/innen des FSG. "Wer nun neugierig auf diesen außergewöhnlichen Mann geworden ist, erhält die Chance im September an der Einführung an der Katholischen Akademie in die Oper über Cusanus teilzunehmen." , lud uns Frau Zey-Wortmann von der Akademie herzlich ein. Dieses Stück wird auch ab November im Trierer Theater zu sehen sein.

"Sehr gut haben mir die Gruppenarbeit und das entspannte 'Lernambiente' gefallen. Es war ungezwungen, lustig und sehr interessant", sagte eine Schülerin als Fazit und spiegelte damit die Meinung aller wider.

Mit einem Spiel (De ludo globi) von Cusanus erfunden, beendeten sie den lehrreichen Tag.

© 2007  August Herbst &  Institut für Cusanus-Forschung, Trier