C u s a n u s - Oper

Das Projekt: C u s a n u s - Fragmente der Unendlichkeit


Berichte und Presse-Echo

Zum pädagogischen Rahmenprogramm

Die CUSANUS-Oper ist auch das Ergebnis einer erstaunlichen Zusammenarbeit regionaler und überregionaler Institutionen der Wissenschaft, der Kunst und der Bildung. Sie geht weit über das übliche theaterpädagogische Programm hinaus und ist in diesem Umfang nicht nur künstlerisch beispiellos, sondern kann durchaus kulturpolitisch richtungweisend sein: Hier zeigt sich, wie durch die Vernetzung gegen­seitige Kreativität freigesetzt wird und Kommunikation übergreifend lebendig wird.

So wurde für das Uraufführungsprojekt eigens ein Koordinator für Öffentlichkeitsarbeit eingestellt, der im Vorfeld umfangreiche Kontakte zu einer ganzen Reihe von Institu­tionen, Bildungseinrichtungen, Schulen, aber auch zum Institut für Lehrerfortbildung in Mainz und der Flämischen Akademie der Wissenschaften hergestellt und die Öffentlich­keit für die Arbeit an der Cusanus-Oper sensibilisiert hat.

Bereits im März fand an der Katholischen Akademie Trier die internationale Tagung Cusanus als Europäer statt, die vom Institut für Cusanusforschung an der Universität und der Theologischen Fakultät Trier ausgerichtet worden war.

An Universität, Theologischer Fakultät und Theater Trier wurde in Zusammenarbeit mehrerer Fächer ein Seminar mit dem Thema CUSANUS – Fragmente der Unendlichkeit gehalten. In verschiedenen Arbeitsgruppen befassten sich Dozenten und Studenten mit der Theaterumsetzung des Stückes, der Vorbereitung von Unterrichtsmaterial für den Religions- und Philosophieunterricht. Eine weitere Gruppe entwickelte ein neuen Spiel um Cusanus mit dem Titel Auf der Jagd nach Weisheit.

Die Spieler haben die Aufgabe, Nikolaus von Kues bei drei seiner Vorhaben zu unter­stützen. Es gilt, ihm als Alchimistin, Nonne oder Bibliothekarin, als Landstreicher, Händler oder Mystiker bei der Jagd nach Handschriften, Edelsteinen und Goldtalern zu helfen. Diese müssen auf einer Reise durch fünf Städte Europas aufgespürt werden, wo sie in Bibliotheken, Kirchen und auf den Marktplätzen zu finden sind. Man kann aber auch unterwegs auf sie treffen - oder sie verlieren. Diese Funde werden benötigt, um die ‚Europaunion’ sowie die Kirchenunion zu ermöglichen und das St. Nikolaus-Hospital ("Cusanusstift") zu gründen. Die Jagd nach der Weisheit gelingt jedoch nur, wenn sich auch der Charakter entwickelt; die Weisheit stellt jeden vor ganz eigene Aufgaben ...

Eine Vorlesung im Wintersemester 2006/2007 beschäftigte sich mit dem Leben und den Werken von Nikolaus von Kues und entwickelte daraus die Einleitung in Leben und Werk des Cusanus, die Sie z.B. im gedruckten Libretto nachlesen können und die auch - in etwas erweiterter Form - dem Spiel beiliegt. Einige Studenten höherer Semester bereiteten sich auf Vorträge für die Erwachsenenbildung vor. So konnte eine Liste von Referaten sowohl von diesen Studenten als auch von Mitgliedern des Instituts für Cusanus-Forschung für die Bildungsarbeit der evangelischen und katholischen Kirche, wo sich das bischöfliche Generalvikariat und der Evangelische Kirchkreis Trier engagiert haben, und für die Volkshochschulen im Umkreis erstellt werden.

Titel wie Toleranz und Wahrheit – Perspektiven des interreligiösen Dialogs oder Cusanische Anregungen zum europäischen Menschen- und Demokratieverständnis -und Nikolaus von Kues – Ein Stoff für das Theater?, um hier nur drei von zwanzig Themen zu nennen, zeigen die Aktualität der Gedanken auch für uns heute.

Im Juni erlebte ein Religion Grundkurs eines Trierer Gymnasiums an der Katholischen Akademie einen Tag lang eine ganz andere "Unterrichtsstunde": Ein Gruppe von Studierenden gestaltete im Rahmen des „Fachdidaktischen Praktikums“ diesen Tag mit den von ihnen erarbeiteten Unterrichtsmaterialien.

Insgesamt wurde Unterrichtsmaterial erstellt für die Fächer Deutsch, Latein, Kunst, Religion, Philosophie, Geografie und Musik. Auch ein von Schülern vor einiger Zeit in einer VideoAG erstellter Film über Nikolaus von Kues fehlt nicht.

Am 3. September eröffnete die Katholische Akademie Trier ihr Akademiejahr 2007/2008 unter dem Thema CUSANUS – Fragmente der Unendlichkeit; dabei wurden zum ersten Mal kleinere Auszüge aus dem Werk öffentlich vorgestellt wurden.

Ebenfalls im September fand eine Internationale Tagung in Brüssel und Bernkastel-Kues statt, zusammen mit dem Flämischen Akademischen Zentrum der Königlich Flämischen Akademie von Belgien für Wissenschaften und Künste und dem Cusanus-Studien-Zentrum der Universität Nijmegen unter dem Thema: Theorien des Sehens und Techniken der Visua­lisierung. Die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues ermöglichte dazu ein Rahmenpogramm für die interessierte Öffentlichkeit mit Konzerten, Lesungen, Filmnacht und Gesprächsrunden zu cusanuischen Themen. Dazu gehörte ein Konzert mit Werken von Boudewijn Buckinx, bei dem der Komponist selbst unter den Zuhörern war.

Die Schulabteilungen der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier, des bischöf­lichen Generalvikariates und des Evangelischen Kirchenkreises Trier informierten die Schulen und verschiedene Fachlehrer darüber, dass Materialien und Unter­richtshilfen zu Nikolaus von Kuer und dem Theaterprojekt erstellt werden. Zudem wurden gemeinsame Lehrer­fort­bild­ungen durchgeführt, bei denen sich die Lehrer/innen einerseits selbst über Cusanus informieren konnten und andererseits die neuen Materialien vorgestellt wurden.

Bei der Zusammenstellung des Materials unterstützte uns auch das Institut für Lehrerfort- und weiterbildung Mainz (ILF) sowie das Pädagogisch-Theologische Institut Kassel der Kirche Kurhessen-Waldeck (PTI), die beide Materialien zur Verfügung gestellt haben.

Die Zusammenarbeit mit all diesen Institutionen hat dem Produktionsteam einen lebendigen Eindruck von Nikolaus von Kues und seiner Philosophie verschafft, was sich deutlich in der Bühnenkonzeption niederschlägt. Und so bleibt zu sagen: CUSANUS - FRAGMENTE DER UNENDLICHKEIT ist nicht zu Unrecht offizieller Beitrag zum "Jahr der Geisteswissenschaften 2007".

August Herbst, Koordinator

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Pressestimmen

Das anspruchsvolle Projekt, das Tanz, Schauspiel, Musik, Gesang und Videoprojektionen ausdrucksstark kombinierte, wurde von Publikum mit viel Beifall belohnt. Deutlich war aber auch: Nicht jedem gefiel die schwere Kost.

... Philosophie verständlich auf die Bühne zu bringen, ist kein leichtes Unterfangen. So erzählt das Oratorium auch keine Geschichte und ist keine Biografie. Stattdessen werden "fragmentarisch" philosophische Fragen des frühen europäischen Denkers ... aufgegriffen. Da geht es um das "Sehen des Sehens" und "das belehrte Nichtwissen" - das nicht jedem Zuschauer zugänglich wird.

Die postmoderne Musik, die sich verschiedener Stile bedient und weiterentwickelt, arbeitet viel mit Brüchen, auch um das Fragmentarische deutlich zu machen. Die elf Solisten wurden vom Orchester unter anderem begleitet mit Holz- und Blechbläsern, Harfe und Streichinstrumenten.

Auch wenn die cusanische Welt dem gut vorbereiteten Zuschauer leichter zugänglich gewesen sein drüfte, so wurde doch für die meisten Besucher deutlich, dass manche Antworten des bedeutenden Philosophen des 15. Jahrhunderts heute noch gültig sind...

Birgit Reicher, dpa, 25.11.2007

 

Inigo Bocken (Libretto) und Peter Larsen (Dialoge) gelang es, aus der Fülle des Materials einen durchaus schlüssigen Text zu erstellen, Stationen aus dem Leben des Cusanus mit Texten aus seinen Abhandlungen plausibel zu verknüpfen.

Mit der Trennung in Sprech- sowie Gesangstheater hat man eine technisch überzeugende Lösung gefunden, Philosophie und Vita auf der Bühne zu unterscheiden.

Wolfgang Valerius, 16vor, 26.11.2007

 

Vor der Musik des Belgiers Boudewijn Buckinx brauchen sich auch Opernfans nicht zu fürchten, die eher tonale Klänge bevorzugen. Er praktiziert eine fröhliche Polystilistik, die von der süffigen Romantik des späten Puccini über Mahler'schen Monumentalismus und Weill'sche Rhythmik bis zu jazzigen Bläsersätzen Marke Gershwin reicht - ohne dass es geklaut klänge.

Die gesamte Produktion vermittelt den Eindruck, das Ensemble habe sich des sperrigen Themas engagiert angenommen.

Dieter Linz, Trierischer Volksfreund, 26. u. 27.11.2007

 

Auch die zweite Pointe der cusanischen Philosophie wird in Trier wort- und bildkräftig umkreist: das "omnia ubique" und die "coincidentia oppositorum", die Lehre von der letztlichen Einheit von Einzelheit und Mannigfaltigkeit, Minimum und Maximum, fernster Ferne und nächster Nähe. Jeder Teil der Welt, lehrte Cusanus, spiegelt dasselbe Ganze und ist in dieser Spiegelung auch mit dem Ganzen identisch. Und die Trierer spielen das regelrecht nach, und zwar so überzeugend und gut überlegt, daß man es ihnen glaubt.

Und man kann dieses Fragment, diese Unwissenheit auf dem Theater nachspielen, ohne sie zu denunzieren.

Pankraz, Junge Freiheit 30.11.2007

© 2007  August Herbst &  Institut für Cusanus-Forschung, Trier